Institut der Maristenbrüder FMS Deutschland

Kurzer Überblick über die Geschichte der Maristenbrüder in Deutschland

Die Anfänge der deutschen Provinz der Maristenbrüder erfolgten in Arlon in Belgien. Dort traten seit 1888 viele junge Männer in das Noviziat ein, da eine Niederlassung in Deutschland infolge des „Kulturkampfes“ nicht möglich war. Die erste Gründung konnte durch Vermittlung des Gouverneurs von Samoa, der dort das Wirken der Maristen schätzen gelernt hatte und sie als Lehrer in seiner Kolonie einsetzen wollte, 1914 in Recklinghausen erfolgen. Nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges mussten die deutschen Brüder und Novizen und Juvenisten Belgien verlassen; viele wurden auch zum Kriegsdienst eingezogen, 45 sind gefallen.

Deutsche Soldaten-Maristenbrüder auf Heimaturlaub in Furth, 1 WK
Versorgung von Verwundeten in Recklinghausen, 1914

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Sommerschloss der Baronin von Hornstein, Furth, 1914

Auf der Suche nach einer neuen Unterkunft fanden die „Gründerväter“, Frater Josef Verius Porta und Frater Leo Dorvaux, schließlich im Sommerschloss der Frau Baronin von Hornstein in Furth bei Landshut 1915 Aufnahme. Diese bot den Brüdern auch die Brauerei und einen Teil der landwirtschaftlichen Liegenschaften zur Nutzung an.

Nach 1919 erfolgte in dem zum Distrikt erhobenen Zweig der Maristenbrüder in Deutschland ein rascher Aufschwung. Schnell wurde die Arbeit in Internaten, Schulen und Waisenhäusern aufgenommen. Dazu gehörte z.B. die Tätigkeit als Erzieher im Internat der Benediktiner in Sankt Stefan in Augsburg.

In Furth wurde eine Reihe von Werkstätten eröffnet – Brauerei und Landwirtschaft – und in Recklinghausen die Herstellung von Arquebuse und Biphosphat begonnen, die ab 1985 in Furth erfolgte; alle dienten als materielle Grundlage.

Scheiderei in Furth
Hopfenzupfen, Furth 1929

 

 

 

 

Brauerei Furth, Kuhstallungen
Neuherberg, Druckerei, 1925

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach 1933 wurde die existenzielle Bedrohung durch das NS Regime immer härter, bis schließlich ab 01.April 1937 die Schließung aller Schulen und Internate angeordnet wurde. Betroffen waren die Internate und Schulen in Cham, Traunstein, Bad Reichenhall, Deggendorf, Kempten und Mindelheim. Remagen und Recklinghausen folgten zwei Jahre später. Die 150 Brüder, die plötzlich arbeitslos wurden, mussten sich neue Einsatzorte in Polen, den Niederlanden, der Schweiz und in Vaduz, im Fürstentum Liechtenstein, suchen.

Kommunität in Valduz, 1937
Schule in Valduz

 

 

 

 

 

 

 

Brüdersoldaten auf Besuch, 2WK

Vor allem wurde in Uruguay ein neues Missionsfeld für die deutschen Brüder eröffnet. Gründungen in Österreich und Ungarn fielen nach kurzer Zeit der politischen Entwicklung zum Opfer. Ab 1939 wurden viele Brüder als Soldaten eingezogen, von denen 52 gefallen sind und eine größere Anzahl schließlich den Orden verließ. Von den 235 Brüdern im Jahr 1938 waren 1945 noch 87 übrig geblieben; 34 wirkten in Uruguay, ein Bruder starb in KZ Dachau.

Nach 1945 musste ein Neubeginn gewagt werden. Nur die Häuser in Vaduz und in St. Gingolph am Genfer See bestanden zunächst weiter und die Tätigkeit in Dänemark musste beendet werden.

 

Das Internat in Mindelheim

Bald wurde die Arbeit in Cham, Mindelheim, Furth und Recklinghausen wieder aufgenommen. Stationen des langsamen Aufschwungs waren die Errichtung eines Studienhauses in München 1951, der Neubau der Klosterkirche und des Brüderhauses in Furth im Jahr 1954, der Neubau der Schule in Recklinghausen ebenfalls 1954 und vor allem die Errichtung der neuen Maristenkollegs in Mindelheim ab 1961. Auch Cham erhielt 1966 ein neues Schulgebäude und schließlich wurde in Furth 1995 das neue Maristen-Gymnasium eingeweiht.

 

Juvenat in Furth mit Frater Ehrenbert
1956, Juvenat in Furth (1)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die kirchliche und gesellschaftliche Entwicklung in der Zeit nach 1968 brachte es mit sich, dass die Berufe ausblieben und die Zahl der Brüder sich immer mehr verringerte. So war man gezwungen, die Leitung und Trägerschaft der Schulen an die Schulwerke der entsprechenden Diözesen zu übergeben. 1991 haben die Brüder auch Liechtenstein verlassen, das von ihnen 1937 gegründete Collegium Marianum ging an das Fürstentum Liechtenstein über. Die weltweite Neustrukturierung des Instituts der Maristenbrüder nach dem Jahr 2000 brachte es mit sich, dass die deutsche Provinz in die neue Provinz Europa-Zentral-West eingegliedert wurde.

Die Zahl der Brüder betrug im Jahr 2018 noch 25. Cham wurde von ihnen 2018 endgültig aufgegeben, während in Mindelheim durch CMI ein neues vielversprechendes Arbeitsfeld eröffnet wurde.

Provinzkapitel in Freising, 2019

Nicht unerwähnt bleiben darf bei diesem knappen Überblick über die Geschichte der Maristenbrüder in Deutschland der bedeutende Beitrag der deutschen Brüder für die Missionen in aller Welt, besonders in Samoa, Südafrika, China, Brasilien und im ehemals deutschen Distrikt Uruguay. Die Gründung in Kenia 1984, wo es bisher keine Maristen gab, war der spezifische Beitrag für den Einsatz der deutschen Provinz in einem echten Missionsgebiet. So waren deutsche Brüder seit mehr als 100 Jahren ein prägender Faktor in der Geschichte des Instituts der Maristenbrüder.

 

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