MISSION IN KENIA

Übersicht der drei Maristenschulen am Viktoriasee

Eine genaue Anzahl an deutschen Maristenbrüdern zu nennen, die als Missionare ins Ausland gegangen sind, ist heute aufgrund von mangelnder Quellenlage nicht mehr möglich. Geht man die sporadischen Aufzeichnungen, Berichte in den Chroniken der Häuser und die vorhandenen Personalkarten der Brüder durch, kann man davon ausgehen, dass bis heute zwischen 350 und 400 deutsche Missionare in über 33 Ländern der Welt längere Zeit tätig waren. Manche verbrachten ihr gesamtes Ordensleben in Missionsländern und starben dort in einigen Fällen auch.

Kenia ist damit also weder das erste noch das einzige Land, in dem deutsche Maristenbrüder als Missionare tätig waren. Dennoch verdient es besondere Beachtung in unserer Geschichte des Ordens in Deutschland, da wir federführend an dem Aufbau von Projekten und einer Maristenpräsenz in Kenia mitbeteiligt waren.

Der Beginn maristischer Präsenz in Kenia: Das Projekt in Roo

Der Beginn der Mission der Maristen in Kenia kam durch eine Anfrage des Diözesanpriesters Bernd Kaut der Diözese Rottenburg/Stuttgart zustande.

1975 hatten Vater Bernd Kaut, Vater Tielen und Generalvikar Father Mühlbacher auf Anregung von Einheimischen eine Secondary School mit Internat gegründet. 1982 bat Bernd Kaut über das Generalat in Rom um die Prüfung der Möglichkeit, in Roo diese Bischof Mugendi Secondary School mit Internat zu übernehmen. Im Auftrag des deutschen Provinzialrates besuchten F. Heinrich Schamberger und sein Bruder Josef 1982 die Schule in Roo, um Möglichkeiten zur Mitarbeit am Viktoriasee in der Pfarrei Mbita zu erkunden.

Zwei Jahre später, am 4. Januar 1984, beschloss das Provinzkapitel dann, trotz Brüdermangel in den eigenen Schulen und Internaten die Mugendi Secondary School in Roo zu übernehmen. So bemühte sich die deutsche Provinz, einige Brüder für dieses Missionsland freizustellen. Am 8. Dezember wurden vier Brüder ausgesandt, zwei aus Deutschland, Fr. Andreas Krupp und Fr. Ewald Frank, sowie Fr. Gerard Gillespie aus Schottland und Fr. Michael O’Hara aus Irland.

Die ersten Brüder in Roo

In den ersten 10 Jahren (1985–1995) lag der Fokus in Kenia, als neuem Teil der deutschen Provinz, auf dem Auf- und Ausbau der Sekundarschule und des Internates in Roo.

Das Marist International Centre Nairobi

Auch wurde vom Generalat in Rom geplant, ein gekauftes Grundstück in Nairobi auszubauen. Hier sollte ein internationales Bildungszentrum der Maristen (Marist International Centre Nairobi – kurz MIC) entstehen, zur Ausbildung von afrikanischen Brüdern. Die deutschen Maristenbrüder waren nicht direkt beteiligt, spendeten aber beachtliche Gelder für dessen Aufbau von 1987 bis 1990. Hier konnten nach Abschluss bald auch die ersten kenianischen Brüder ausgebildet werden.

Die Handwerkerschule in Ramba

1991 erklärte sich die deutsche Provinz auf Bitte der Diözese Rottenburg bereit, die verlassene Handwerkerschule in Ramba auf der Insel Mfangano im Viktoriasee wieder zu eröffnen und Leitung, Organisation und Mitfinanzierung zu übernehmen. Fr. Hans Seubert übernahm die Leitung der Schule. Später wurde auch ein Kindergarten ins Leben gerufen.

Die Schule mit Internat in Orore

Wir Maristen haben nicht nur vorhandene Strukturen übernommen, sondern auch neue geschaffen. 1996 entschloss sich die deutsche Ordensprovinz, unterstützt von Maristenbrüdern aus anderen Ländern und den ersten einheimischen kenianischen Brüdern, eine Volksschule und ein Internat für Jungen und Mädchen in Orore aufzubauen.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Roo, Ramba, Orore und Nairobi (MIC) von 1984 bis 2003 durch die deutsche Ordensprovinz und den Maristen-Fürsorge- und Missionsverein personell und finanziell aufgebaut und sehr unterstützt wurden. Diese Maßnahmen waren nur möglich durch großzügige Spenden unserer Schulen und Internate, Wohltäter, Gelder der Ordensprovinz und die große Unterstützung durch Missio Aachen und andere Hilfswerke.

Die Projekte heute

Nach der Umstrukturierung des Ordens 2003 wurde Kenia, als inzwischen etabliertes Land mit Maristenbrüdern, Teil der neuen afrikanischen Ordensprovinz namens PACE. Der letzte deutsche Bruder kehrte altersbedingt 2019 aus Kenia nach Deutschland zurück. Seit 1984 hat sich in den Projekten viel getan:

  • Die Handwerksschule in Ramba konnte aufgrund verschiedener Faktoren nicht mehr weitergeführt werden und wurde in den späten 2010er Jahren aufgelöst.
  • Das Marist International Center (MIC) hat sich als Ausbildungszentrum für Maristenbrüder aus ganz Afrika und Madagaskar etabliert, das nach dem Noviziat besucht wird. Es bietet ein vierjähriges Programm mit einem Abschluss in Pädagogik und einem Diplom in Religionswissenschaften an. Die Brüder in Ausbildung leben in der MIC-Gemeinschaft und studieren am Marist International University College (MIUC).
  • Auch die Schule mit Internat in Orore besteht weiterhin und wird von vier Maristenbrüdern der Provinz PACE betrieben, während die Schule in Roo an die dort ansässige Diözese weitergegeben wurde.

Schreibt man, wie hier, eine Übersicht der Geschichte, wird die eigentliche Arbeit, die vor Ort geleistet wurde, nur zwischen den Zeilen sichtbar.

Schwierigkeiten innerhalb der Projekte aufgrund von den politischen Strukturen im Land, Geldsorgen, personellen oder kulturellen Herausforderungen, Schäden und nötigen Reparaturen, unvorhersehbaren Naturkatastrophen oder menschlichen Tragödien oder Krankheiten sind Alltäglichkeiten, mit denen sich die Maristenbrüder damals wie heute in solchen Projekten auseinandersetzen müssen.

Dem gegenüber stehen die positiven Auswirkungen und Entwicklungen, wie gut angelegte Spendengelder, die den Aufbau neuer Strukturen und neuen Chancen für zahlreiche Kinder, Jugendliche und Erwachsene ermöglichen, deren Wirksamkeit anhand von vielen einzelnen Menschen sichtbar wird. Dazu kommen auch die zwischenmenschlichen Erträge, der gewinnbringende kulturelle Austausch, das gemeinsame Wachsen als Kommunität und Gemeinde und das Entstehen von Freundschaften – vor Ort und interkontinental.

Alle diese Elemente sind Teil der Geschichte der deutschen Maristenbrüder in Kenia. Auch wenn es schwierig ist, diese adäquat in ihrer Vielfältigkeit für jedes Projekt darzustellen, sollten sie hier zumindest eine kurze Erwähnung finden.