FRATER JOHANNES-XAVER GOEBELS

Opfer des Naziregimes — Tod im KZ Dachau

Am 17. März 1944 verschied Frater Johannes-Xaver Goebels mit 47 Jahren im Lazarett des KZ Dachau infolge einer schweren Erkrankung.

Sein Lebensweg

Johannes Xaver Goebels FMS (* 27. August 1896 in Meiderich; † 17. März 1944 im KZ Dachau)

Frater Johannes wurde am 27.8.1896 in Duisburg-Meidrich als ältestes von 9 Kindern geboren. Sein Vater war Volksschullehrer. Am 15.8.1913 trat er in Arlon in das Noviziat ein und legte am 1.11.1914 in Recklinghausen der erste Profess ab. Das Maristenleben von Frater Johannes-Xaver während der Jahre nach 1933 kann geradezu als exemplarisch für das Schicksal vieler Brüder in Deutschland während der 12 Jahre der Naziherrschaft betrachtet werden. Als eine Reihe von Schulen und Internaten durch Dekret der Regierung 1936 geschlossen wurden, musste auch er seinen Einsatzort Reichenhall in Oberbayern verlassen, wo er vier Jahre gewirkt hatte. Darauf suchte er eine neue Beschäftigung in den neu gegründeten Internaten in Österreich, zuerst in Innsbruck und dann in Graz. Es gab aber kein Bleiben, denn nach dem Einmarsch der Nazis in Österreich wurde auch diese Niederlassung schon bald wieder geschlossen. Am neuen Einsatzort St. Gingolph in der Schweiz am Ufer des Genfer Sees konnte er auch nicht lange bleiben, da ihm das Klima sehr zu schaffen machte. So fand er schließlich ein neues Arbeitsfeld in der Heimat, als einige Brüder in Lüdinghausen im Internat Canisianum eine neue apostolische Aufgabe finden konnten und dort im September 1939 die Arbeit aufnahmen.

Inhaftierung im Gefängnis in Recklinghausen

Am 15.09.1943 rückte die gesammelte Staats- und Parteimacht mit Gestapo-Beamten, SA-Mitgliedern, dem NSDAP-Kreisleiter, dem HJ-Bannführer und dem Landrat an Internat und Schule an, um Dr. Bernhard Hürfeld als Leiter und Frater Johannes als Präfekten des Internats, Schulleiter Dr. Kleinsorge, den Geschichtslehrer Dr. Wilhelm Brockhoff und den Religionslehrer und Kaplan Anton Bornefeld zu inhaftieren.

Die Anklage lautete: Beeinflussung der Jugend gegen das nationalsozialistische Regime. Der unmittelbare Anlass waren einige harmlose Vorkommnisse, durchgeführt von ein paar jugendlichen Hitzköpfen im Rahmen einer kleinen Streiterei nach dem Bekanntwerden des italienischen Waffenstillstandes am 3. September 1943, wobei ein Hitlerbild an der Wand umgedreht und eines von der Wand gerissen worden war. Diese von den NS-Behörden als „schwere Ausschreitungen“ bezeichneten Ereignisse nahm die Gestapo zum Vorwand, um endlich zu einem endgültigen Schlag gegen Schule und Internat auszuholen.

Da die Schüler bei den Verhören geschlossen jede Aussage verweigerten, wurde eine Reihe von Schülern der Oberstufe zur „Umerziehung“ für mehrere Wochen in ein Umerziehungslager (das Schulungslager HJ in Haldem, Post Dielingen) gebracht. Die Eltern wurden erst anschließend, am 20.9.1943, auch schriftlich unterrichtet, dass „sämtliche Schüler der Oberschule und des Schülerheims Canisianum in Lüdinghausen einer staatspolizeilichen Erziehung zuzuführen“ seien.

Auch die langen Verhöre des Lehrer- und Erzieherpersonals konnten nichts Belastendes erbringen. Trotzdem wurden fünf Personen verhaftet und in das Gefängnis von Recklinghausen eingeliefert. Die Begründung lautete einfach: Vernachlässigung der Erziehung nach nationalsozialistischen Grundsätzen, was man u. a. auch daran erkennen könne, dass an den Wänden mehr Heiligenbilder hängen würden als solche, die das deutsche Vaterland verehren. Gemeint waren natürlich Bilder von Nazigrößen.

Abb. Polizeipräsidium Recklinghausen, ca. 1935 Quelle Sammlung Frank Kawelovski

Tod im KZ Dachau

Möglicherweise stand Frater Johannes schon auf der schwarzen Liste der Nazibehörden, weil er zusammen mit Frater Augustin Knapp am 15.2.1937 ein Protestschreiben gegen die Auflösung der Maristenschulen in Bayern, das dem Staatsminister Adolf Wagner in München überreicht wurde, unterzeichnet hatte. Für Frater Johannes-Xaver wurde der Aufenthalt im Gefängnis noch besonders erschwert durch seinen sehr angegriffenen gesundheitlichen Zustand. Schwere Kopfschmerzen und ein akutes Magenleiden machten ihm schwer zu schaffen. Dazu kam noch eine schwere Depression, genährt von seiner Angst vor einer möglichen Einlieferung in das KZ Dachau.

Genau diese Angst bewahrheitete sich. Er wurde, zusammen mit den anderen Angeklagten, am 10. Januar 1944 zu einer Haft in Dachau verurteilt. Was ihm vorgeworfen wurde und auch Grundlage des Urteils war, schrieb er in seinem letzten Brief am 11.1.1944. Danach habe er dem „staatsfeindlichen Treiben der Schüler Vorschub“ geleistet und zur „Beunruhigung der Bevölkerung“ beigetragen.

Ehemaliges_Lagertor_c_Stefan_Müller-Naumann_KZ-Gedenkstätte_Dachau

 

Am 5.2.1944 erfolgte ein Sammeltransport und er wurde als Häftling Nr. 63 118 in den Block 15 für Schwerkriminelle eingewiesen. Die täglichen Arbeiten führten zu einer Verschlechterung seiner Symptome und er erkrankte wieder an schwerer Meningitis. Aus Angst vor den brutalen Methoden der Ärzte und Krankenpfleger meldete er sich erst, als es schon zu spät war. Die von ihm so sehr gefürchtete Operation konnte zwar noch eingeleitet, aber nicht mehr durchgeführt werden, da er nach dem Öffnen der Stirn verschied. Vor der Operation war es einem Jesuitenpater noch gelungen, ihn mit den Sakramenten zu versehen.

Am 22.3. konnte in der Kapelle des Blocks 26 ein Trauergottesdienst abgehalten werden. Die Asche wurde nach der Verbrennung der Leiche auf einen großen Haufen zusammen mit der Asche aller anderen Verbrannten gesammelt. Die Angehörigen lehnten eine Übersendung der Urne ab, da man ihnen einfach etwas von diesem großen Aschenhaufen zugeschickt hätte. So ist er zusammen mit den anderen 31 590 Opfern von Dachau auf dem Gelände des KZ beerdigt.

2019 wurde ein Stolperstein vor der Maristen- Realschule in Recklinghausen zu seiner Erinnerung verlegt. Die deutsche katholische Kirche hat Johannes Xaver Goebels als Blutzeugen aus der Zeit des Nationalsozialismus in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen.

Zitat aus dem letzten Brief von Frater Johannes-Xaver vom 2. Februar 1944, einen Monat vor seinem Tod:

Es ist eine schwere Prüfung, die ich aber mannhaft trage und aus Gottes Hand und im Vertrauen auf seinen Beistand und die Hilfe meiner himmlischen Mutter annehme. Mein großer Trost ist, dass ihr alle von meiner Schuldlosigkeit überzeugt seid, und ich wünsche, dass ihr es allen mitteilt, die mir nahestehen. Ich stehe vor Gott und jedermann rein da. Die Kraft, alles zu tragen, gibt mir einzig mein Glaube. Wie bin ich meinem Schöpfer dankbar dafür. Gebe Gott, dass ich noch viele Jahre in seinem Weinberg wirken kann.

Quellen: