Spiritualität

„Alles zu Jesus durch Maria, alles zu Maria für Jesus – Hl. Marcellin Champagnat

Die Beziehung von Marcellin zu Maria war tief geprägt von einer innigen und vollkommenen Vertrautheit zu ihr als der „guten Mutter“.  Von Anfang an sah Marcellin Champagnat sein Werk nicht als seine eigene Errungeschaft, sondern als das Werk der Mutter Gottes. So gab er seinen ersten Brüdern den Namen „kleine Brüder Mariens“, später Maristenbrüder.

Er setzte sein ganzes Vertrauen auf sie und nahm sie zum Vorbild, Jesus Christus nachzufolgen. Die Spiritualität der Maristenbrüder ist aus diesem Geist geprägt. Sicherlich hat sich im Laufe der letzten 200 Jahre die Form der Marienverehrung verändert. Nach wie vor gilt aber für alle Maristen, dass Maria, unsere Gute Mutter, das Vorbild ist, nach dem wir leben, glauben und vertrauen wollen. 

Er schrieb einmal: Ohne Maria sind wir nichts, und mit Maria haben wir alles, denn Maria hat ihren liebenswerten Sohn immer in ihren Armen oder in ihrem Herzen.

Maria auf dem Weg - Maria am Weg? Statue von Christiane Sandler, aufgestellt 2021 in Mindelheim

Dieser Glaube blieb sein ganzes Leben lang unverändert. Jesus war das Fundament, auf den Marcellin sein Leben baute und vertraute und Maria der Weg, für seinen Lebensentwurf. Diese innige Beziehung trug dazu bei, die marianische Dimension unserer Spiritualität zu prägen.

Das Motto, das Champagnat von seinem Biographen zugeschrieben wird, „alles zu Jesus durch Maria, alles zu Maria für Jesus“, bringt diese enge Beziehung zwischen dem Sohn und der Mutter und die Haltung des Vertrauens unseres Gründers in Maria zum Ausdruck, zu der wir aufgefordert sind, zu leben.

So erklären auch Konstitutionen der Maristenbrüder: Wie die erste Gemeinde zu Pfingsten sind wir uns der Gegenwart Marias unter uns bewusst. Ihre Gegenwart lädt uns ein, als Brüder zu leben, und erinnert uns daran, dass wir die Gemeinschaft Jesu bilden. Um sie versammelt, verpflichten wir uns, eine Kirche mit marianischem Antlitz aufzubauen“ (Konstitutionen, 35). 

Meditation: Der heilige Marcellin, Baumeister

Wir laden Sie herzlich ein, an einer Bildmediation über Marcellin teilzunehmen und die Spiritualität der Maristen selbst zu erfahren.

Diese moderne Ikone, die ein australischer Künstler im Jubiläumsjahr der Erbauung unseres Mutterhauses Notre-Dame de l’Hermitage 2026 schuf und die ganz im Stil der griechischen Ikonenmalerei gestaltet wurde, wurde während des XXIII. Generalkapitels von Bro. Peter Carrol dem Institut gleichsam übergeben.

Sie können per Klick  mit dem Bild interagieren oder hier eine PDF der vollständigen Bildmeditation herunterladen.

Im Vordergrund sehen wir den Hl. Marcellin, erkennbar an dem Heiligenschein und dem einfachen Talar eines Priesters aus der damaligen Zeit in Frankreich. Marcellin hält eine kleine Kapelle zusammen mit einer Marienikone in seinen Händen. Beide sind ihm offensichtlich äußerst wichtig, da er sie fast schon zärtlich und sehr nahe an seinem Herzen hält. Die Kapelle zeigt das ursprüngliche Marienheiligtum auf Fourvière in Lyon, zu dem Marcellin als Seminarist sicherlich häufig vom Priesterseminar aus hochgepilgert ist. Dort, zusammen mit seinen Freunden, versprach er Maria, einen Tag nach seiner Priesterweihe eine neue Ordensgemeinschaft zu gründen. Bereits vier Monate später sollte er dieses Versprechen am 2. Januar 1817 in La Valla einlösen.

Der Künstler greift dieses Bild der Kapelle von Fourvière wieder auf, wenn er im Hintergrund die Baustelle von Hermitage in gleicher Form darstellt. Diese Motivwiederholung offenbart ihn als Erbauer des Hauses und Gründer der Brüdergemeinschaft. Neben dem Gebäude hält er eine Ikone der Gottesmutter Maria. Damit wird deutlich, wie wichtig Marcellin die Beziehung zu Maria war. „Jesus und Maria bekannt und geliebt zu machen und besonders Kindern und jungen Menschen zu zeigen, wie sehr Jesus und Maria diese lieben“, war Zeit seines Lebens der Grund, Inhalt und sein Ziel, welche ihn so kraftvoll anpacken ließen.  

„Jesus und Maria bekannt und geliebt zu machen und besonders Kindern und jungen Menschen zu zeigen, wie sehr Jesus und Maria diese lieben“, war Zeit seines Lebens der Grund, Inhalt und sein Ziel, welche ihn so kraftvoll anpacken ließen.

Dass er dies als Priester tun wollte, darauf weist sein schwarzer Talar hin. Aber über diesen trägt er – völlig unüblich in der gängigen ikonographischen Darstellungsweise von Priestern – eine staubige, abgenützte Arbeitsschürze. In diesem Detail leuchten zwei tiefe Charaktereigenschaften Marcellins auf: seine Liebe und Wertschätzung von manueller Arbeit und seine praktische, tatkräftige Haltung, aber auch seine Demut und Bereitschaft, anderen Menschen und dadurch Gott zu dienen und dabei sich unter Umständen sogar schmutzig zu machen.

Jesus während der Fußwaschung seiner Jünger, bei der er sich selbst eine Schürze umband, war ihm hier das Vorbild.

Marcellin trägt den goldfarbenen Heiligenschein, und auch der gesamte Hintergrund ist vergoldet. In der Ikonensprache ist Gold immer ein Hinweis auf Gott. Alles, was hier dargestellt wird, und alles, was damals geschah, steht unter Gottes Führung. Was der menschlichen Logik manchmal unverständlich erscheint, folgt dennoch Gottes eigener Logik.

Im Hintergrund erkennen wir erneut den Hl. Marcellin und seine Brüder beim Hausbau von Hermitage. Zwei Brüder stehen auf einer Leiter, einer hält Werkzeuge in den Händen. Die jungen Männer sind aktiv dabei, das Haus zu errichten. Marcellin selbst steht ganz oben auf der Leiter. Auch er arbeitet am Bau mit. Doch hier segnet er die arbeitenden Brüder – sichtbar durch seine ausgestreckte rechte Hand. Wie ein fürsorglicher Ordensvater geht er voran, er steigt am weitesten hinauf und behütet zugleich seine Gemeinschaft, während sie arbeitet. Und alles geschieht in Gottes Gegenwart.

Im Inneren des Hauses ist erneut die Ikone Mariens zu erkennen. Sie ist das Herz und die Seele des Hauses und somit der gesamten Gemeinschaft und aller Projekte. Die „gute Mutter“, wie Marcellin und die ersten Brüder sie nannten, begleitet die Brüder und sorgt stets für sie. Für Marcellin war zeit seines Lebens klar: „Maria hat alles für uns getan“ und „Es ist nicht unser Werk, sondern das Ihre!“

Auf der linken Seite sehen wir im Hintergrund den Eichenwald und die berühmten Felsen von l’Hermitage – jene Felsen, die niemand zu brechen vermochte, bis Marcellin selbst den Pickel in die Hand nahm. Für die Maristen aller Zeiten sind diese abgeschlagenen und in den Mauern von Hermitage wieder aufgeschichteten Mauersteine ein eindrückliches Symbol für harte Arbeit, Ausdauer und das Vertrauen in Gott.
„Wenn es dem Willen Gottes entspricht, werden wir es vollbringen“, pflegte Marcellin zu sagen.

Auch Marcellins Lieblingspsalm bringt dieses Vertrauen in Gott zum Ausdruck: „Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.“ PS 127
Der hl. Marcellin gleicht hier dem weisen Bauherren aus dem Evangelium, der sein Haus auf Fels baute.

Neben dem Gebäude fließt ein kleiner Fluss: der Gier. Sein Wasser strömt von links unter am Bildrand vorbei an dem Haus hindurch. Einem kann hier das prophetische Bild des Ezechiel einfallen, wo der Fluss, der aus dem Tempel entspringt, überall Leben und Segen hinbringt, wohin seine Wasser fließen. Oder es erinnert den Betrachter an das Wasser des Jordans, in dem Jesus bei seiner Taufe durch Johannes die Liebeszusage seines Vaters aus dem Himmel vernahm: „Du bist mein geliebter Sohn.“

Wie auch immer; dieses Wasser des Giers kann als Bild des Flusses des Lebens gedeutet werden. Marcellin und seine Brüder haben an den Ufern dieses Baches ein neues Werk begonnen, dessen Leben sich seither in die Geschichte und in die ganze Welt ergießt. Seit Marcellins Zeit wuchs dieser kleine Fluss zu einem großen Strom, der inzwischen alle Kontinente der Welt erreichte. Das Wort des Hl. Marcellin „Alle Diözesen der Welt stehen uns offen“ spiegelt sich in diesem Bild des Flusses des Giers wider. Wahrlich ein Fluss des Lebens!

Links neben Marcellin steht ein Korb voller Werkzeuge. Diese Schaufeln und Pickel brauchen Marcellin und die Brüder beim Erbauen von Hermitage. Ein typischer Werkzeugkorb auf jeder Baustelle.

Doch Marcellin blickt den Betrachter direkt an. Wie wirkt dieser Blick auf dich, der bis hierhin diese Ikone betrachtet hat?Müde nach getaner Arbeit, interessiert an der Person des Betrachters, einladend, um selbst Hand am Bau der Hermitage anzulegen?

Der, der unermüdlich an diesem Haus, am Orden und an der Mission, Kinder und Jugendliche christlich zu erziehen, arbeitet, hat nun Dich erblickt. Und er richtet seinen Blick auf Dich: „Schau – hier hast du Maria als Bauleiterin und Ihr Werk, dessen treuer Diener ich sein durfte. Jetzt bist du an der Reihe. Suche dir dein Werkzeug aus – die Schaufeln, Pickeln oder Sägen deiner Zeit –, entsprechend deiner persönlichen Berufung, deinen besonderen Fähigkeiten und vor allem den aktuellen Nöten von Kindern und Jugendlichen, und baue heute mit mir weiter als ein Marist Champagnats. Mit dir setze ich den Bau der Hermitage fort. Mit dir bauen wir das neue Hermitage – wahrlich ein Zuhause für alle.“

Die Maristen Champagnats – Laien wie Brüder – sind berufen, Marcellins Werk weiterzuführen und weiter auszubauen.

Das ursprüngliche Wappen der Maristenbrüder

Das traditionelle Wapen der Maristenbrüder verbindet verschiedene Bildelemente, in denen bestimmte Aspekte der Spiritualität der Maristen aufgegriffen werden. Durch das Interagieren mit dem Bild erfahren Sie hier mehr über die einzelnen Symbole.

Die Buchstaben "MA"
Die zwei Buchstaben befinden im Zentrum:
Anfangsbuchstaben für den Namen Maria und Maristen
(umgedreht gelesen bedeutet es auch Ave Maria).

Vom Ursprung her sind die Maristenbrüder FMS Teil einer
Marianischen Gesellschaft,
die eine Priester-(Maristenpatres SM),
eine Brüdergemeinschaft (Maristenbrüder FMS)
sowie zwei Schwesterngemeinschaften
(Maristenschwestern SM und
Maristen-Misssionsschwestern SMSM) umfasste.

Der Wahlspruch des Ordensgründers lautet: 

Ad Jesum per Mariam „ Alles zu Jesus durch Maria / Alles zu Maria für Jesus"

Aus Mariens Geist leben heißt: Jesus als Mitte,
der sich selbst als Weg zum Vater bezeichnet.
Maria als Vorbild im Glauben und Hinweis auf Jesus:
„Was er euch sagt, das tut!″ (Joh 2,5).

Daraus leiteten die Maristen Folgendes ab:

  • Sein Leben in Gott festmachen.
  • Aufmerksam auf die Nöte der Menschen sein.
  • Solidarisch auf der Seite der Opfer und Ausgegrenzten stehen.
  • Sich nicht abfinden mit Unrechtsstrukturen.
  • Das Bewusstsein wachhalten, dass Gott die
    Mächtigen vom Thron stürzt und die Niedrigen erhöht (Lk 1,52).

Die Krone
Ein Zeichen für die Verherrlichung Mariens und ein Hinweis darauf,
dass Gott auch an uns Großes tut und uns aus der Niedrigkeit erhöht
(vgl. Lk 1,49.52).

Die drei Veilchen
Ein Hinweis auf Einfachheit, Bescheidenheit (Demut) und Familiensinn,
heilsam in zwischenmenschlichen Beziehungen und notwendig
für einen Lebensstil in Verantwortung für die Schöpfung.

Die 12 Sterne

Ein Symbol, welches in der Bibel zu finden ist:

„Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel:
eine Frau, mit der Sonne bekleidet;
der Mond war unter ihren Füßen
und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt“
(Offb 12,1).

Die zwölf Sterne lassen im ursprünglichen Sinn an den Zwölfstämmebund,
also an das Volk Gottes, denken. Gläubige Betrachtung sah aber in der Frau
mit dem Kranz von zwölf Sternen Maria.
Diese Sinndeutung fand auch in die Liturgie Eingang,
und so wird der Text von der Sonnenfrau
am Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel verkündet.

Für uns steht es außerdem dafür,
dass wir Maristen eng mit der Kirche verbunden
und als Teil davon zu allen Völkern und Stämmen gesandt sind,
um das Evangelium zu verkünden.
So schrieb schon Marcellin in einem Brief:
Alle Diözesen der Welt sind in unserem Blick“ (Brief 93, 22).